Sonntag, 10. Januar 2016

1: Das Märchen von der unfehlbaren Schrift

"Freidenker".

Das ist ein Wort, das in vielen Christen entweder Unwohlsein oder Verachtung hervorruft. Es wird assoziiert mit Unglauben, Agnostizismus und Atheismus. Dass aber nur Ungläubige frei denken würden, bestreiten viele Christen vehement. Gläubige würden sich ständig ihre eigenen Gedanken machen und offene Diskussionen führen, heisst es. Doch das ist nur begrenzt wahr.

Die Christen glauben, die Bibel sei Gottes Wort und damit unfehlbar. Dadurch werden automatisch sämtliche Theorien abgehakt, die der Bibel - oder zumindest der am weitesten verbreiteten christlichen Lehrmeinung - widersprechen. Moderatere Christen gestehen zwar gewisse Unzulänglichkeiten ein, weichen aber bei grossen Fragen wie denjenigen nach Gottes Macht, Liebe und Existenz nicht vom Fundamentalismus ab. Damit also überhaupt erst Raum für einen wahrhaftig offenen Diskurs entstehen kann, müssen die Ermittlungen gegen die Bibel damit beginnen, an wasserdichten Beispielen aufzuzeigen, dass die Bibel weder unfehlbar noch konsistent ist. Und es stimmt, was Julia Sweeney in "Letting Go Of God" sagt : "All die Leute, die an die Unfehlbarkeit der Bibel glauben oder dass jedes Wort der Bibel wahr sei... Die haben anscheinend nicht einmal die ersten beiden Kapitel gelesen!".

Die Bibel beginnt mit der Schöpfungsgeschichte im 1. Buch Mose, "Genesis" genannt. In Kapitel 1 lesen wir von der Schaffung von Pflanzen, Tieren und Menschen - in dieser Reihenfolge. In Vers 11, am dritten Schöpfungstag, werden die Pflanzen geschaffen:

"Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. 12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art."


So, die Pflanzen sind also da. Ab Vers 20, am fünften Schöpfungstag, kommen die Tiere hinzu:

"Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels..."






Gott bastelt und bastelt, und in Vers 25, am sechsten Schöpfungstag, ist er dann fertig mit dem Getier:

"Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war."

Die Pflanzen und Tiere sind also alle fertig und bevölkern die Schöpfung, als Gott dann in den Versen 26+27 die Menschen dazu tut:

"Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib."

Soweit so gut, Pflanzen, dann Tiere, dann Menschen. Es folgt Kapitel 2 der Bibel. Da wird die Geschichte nochmal erzählt. Und da steht ab Vers 5 dann Folgendes:

"Und allerlei Bäume auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und allerlei Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und es war kein Mensch, der das Land baute. 6 Aber ein Nebel ging auf von der Erde und feuchtete alles Land. 7 Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase."
(...)
"Denn als Gott der HERR gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte..."
(...)
"Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloß die Stätte zu mit Fleisch. 22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, und brachte sie zu ihm."

Die Reihenfolge ist hier eine andere. Im Detail lautet sie hier Mann - Tiere - Frau, und in puncto Pflanzen kommt nur noch der Garten Eden vor. Wir halten fest: Bereits das zweite Kapitel der Bibel widerspricht augenfällig und offensichtlich dem ersten (und mit der biologisch-historischen Seite haben wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht angefangen). Tja, da hatte der gute Autor nach der Fertigstellung der definitiven Version wohl vergessen, den ersten Entwurf durchzustreichen.

Ich bin mir vollstens bewusst, dass dies für sich Gott alles andere als widerlegt. Aber zentral ist bei diesem Beispiel Folgendes: Wir wissen schon nach eineinhalb Kapiteln, dass die Bibel Fehler enthält. Und diese Fehlbarkeit der Bibel müssen wir akzeptieren, woraus dann eine unvoreingenommene, undogmatische Diskussion entstehen kann. Die Ermittlungen laufen.

-Ihr Scrutator

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Die ganze Bibel ist voller Fehler. Noch ein paar gefällig? Siehe die Ahnenfolge von Jesus in Lukas 3 und Matthäus 1. Beide führen über David zu Josef und zu Jesus. Das seltsame ist nur: sie sind nicht gleich. Wie kann ein Buch der Wahrheit, von Gott geleitet, solche Fehler beinhalten?
Oder die Frage aus wie vielen Stämmen besteht Israel? Richtig, aus 12. Aber welche 12 sind es denn? Da schau mal in 1. Mose 49, in 5. Mose 33 und in Offenbarung 7. Nur in Offenbarung 7 gibt es Gad, bei den anderen beiden nicht. Dafür hat 5. Mose 33 ein Ephraim, die anderen nicht. Mänade fehlt in 1. Mose 49 und und und. Man sollte doch annehmen, das der angeblich allmächtige Gott beim Verfassen seiner angeblich heiligen Schriften fehlerfrei diktieren kann....
Oder solche simplen Beispiele: Wie viele gefangene Wagenkämpfer machte David von König Hasad-Eser? In 2. Samuel 8,4 sind es 1700 Wagenkämpfer und 20000 Soldaten. In 1. Croniker 18, 3-4 sind es 1000 Streitwagen, 7000 Wagenkämpfer und 20000 Soldaten.
Oder Davids Zählung der Soldaten. Schau in 2.Samuel 24,9 und in 1.Chroniker 21,4-5. Was für gewaltige Unterschiede????
Oder Gott lässt David die Wahl in 2.Samuel24,13 und 1.Chroniker21,12. Einmal heißt es siebenjährige Hungersnot, einmal dreijährige Hungersnot. Was stimmt denn nun?
Oder die Frage wie viele Männer Jishbaal erschlug? Bei 2. Samuel 23,8 sind es 800 bei 2.Chroniker 4,5 nur 300. ein kleiner Unterschied von über 100 Prozent....
Oder wie viel Wasser fasste die Anlage von Salomo? In 1. König 7,26 fasst das Becken 2000 Bat, also 600 Hektoliter, in 2. Chroniker 4,5 sind es aber 3000 Bat, also 900 Hektoliter. Ups ein Drittel mehr....