Donnerstag, 14. Januar 2016

5: Predigt zu 4. Mose 12, 1-10

Während meiner Zeit als Christ wurden meine homiletischen Fähigkeiten bewundert. Ich durfte als einziges nicht studiertes Mitglied im Predigerteam bestimmte Passagen des "Wortes Gottes" für die Gemeinde analysieren und auslegen. Das will ich auch heute wieder einmal tun. Allerdings ist die Bibelstelle dieses Mal nicht nach dem Prinzip des "Confirmation Bias" für die Bestätigung der Güte Gottes ausgesucht worden. Viel Vergnügen. Wenn Sie mir danach einen Kollektenbeitrag zusenden wollen, melden Sie sich einfach.

Liebe Gemeinde

Der heutige Predigttext steht im 4. Buch Mose, das wir auch als "Numeri" kennen. Ich lese aus Kapitel 12 die Verse 1-10:

"1 Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum daß er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte, 2 und sprachen: Redet denn der HERR allein durch Mose? Redet er nicht auch durch uns? Und der HERR hörte es. 

3 Aber Mose war ein sehr geplagter Mensch über alle Menschen auf Erden. 4 Und plötzlich sprach der HERR zu Mose und zu Aaron und zu Mirjam: Geht heraus, ihr drei, zu der Hütte des Stifts. Und sie gingen alle drei heraus. 5 Da kam der HERR hernieder in der Wolkensäule und trat in der Hütte Tür und rief Aaron und Mirjam; und die beiden gingen hinaus. 6 Und er sprach: Höret meine Worte: Ist jemand unter euch ein Prophet des HERRN, dem will ich mich kundmachen in einem Gesicht oder will mit ihm reden in einem Traum. 7 Aber nicht also mein Knecht Mose, der in meinem ganzen Hause treu ist. 8 Mündlich rede ich mit ihm, und er sieht den HERRN in seiner Gestalt, nicht durch dunkle Worte oder Gleichnisse. Warum habt ihr euch denn nicht gefürchtet, wider meinen Knecht Mose zu reden? 

9 Und der Zorn des HERRN ergrimmte über sie, und er wandte sich weg; 10 dazu die Wolke wich auch von der Hütte. Und siehe da war Mirjam aussätzig wie der Schnee. Und Aaron wandte sich zu Mirjam und wird gewahr, daß sie aussätzig ist."

Fassen wir die Geschehnisse noch einmal kurz zusammen: Mose Geschwister beschweren sich über die Fremdenheirat ihres Bruders. Sie stellen die Frage in den Raum, ob nur aus Mose Mund Wahrheit kommen könne. Gott hört dies, weist die beiden zurecht und straft Mirjam mit Lepra.

Nun sind wir vielleicht versucht, zu glauben, dass diese Geschichte gerecht zu Ende gegangen sei. Moses war doch klar und deutlich zum Propheten Nummer 1 bestimmt gewesen, wer ihn anklagte und seine Auserwähltheit in Frage stellte, war doch ganz einfach selbst schuld, oder? Wie sich zeigt, ist es nicht ganz so einfach. 

Mirjam und Aaron waren im Recht
Mose Geschwister hatten gut aufgepasst: Im 34. Kapitel des 2. Buch Mose ist festgehalten, dass Gott es nicht gutheisst, wenn Israeliten jemanden mit einer anderen Religion heiraten: 

2. Mose 34, 15+16: "15 Daß du nicht einen Bund mit des Landes Einwohnern machest, und wenn sie ihren Göttern nachlaufen und opfern ihren Göttern, sie dich nicht laden und du von ihrem Opfer essest, 16 und daß du nehmest deinen Söhnen ihre Töchter zu Weibern und dieselben dann ihren Göttern nachlaufen und machen deine Söhne auch ihren Göttern nachlaufen."

Zu Beginn von Kapitel 7 des 5. Buch Mose wird diese Anweisung wiederholt, und auch im 1. Buch der Könige lesen wir einen Verweis darauf: 

1. Könige 11, 1+2: "Aber der König Salomo* liebte viel ausländische Weiber: Die Tochter Pharaos und moabitische, ammonitische, edomitische, sidonische und hethitische, 2 von solchen Völkern, davon der HERR gesagt hatte den Kindern Israel: Gehet nicht zu ihnen und laßt sie nicht zu euch kommen; sie werden gewiß eure Herzen neigen ihren Göttern nach."
* = Besonders spannend: Salomo war laut Gott der weiseste Mann, der je gewesen war und der je sein würde. Er wandte sich vom biblischen Gott ab und betete andere Götter an. Sich vom biblischen Gott abwenden ist also etwas, was schlaue Menschen tun - danke für diese Info, liebe Bibel!

Mirjam und Aaron wiesen also Mose lediglich darauf hin, dass er Gefahr lief, den Göttern seiner Mohrin "nachlaufen gemacht zu werden". Fair point. Das war im Sinn des Gesetzes, das Gott gesprochen hatte. Sie hatten keinen Fehler gemacht - mit einer Ausnahme: Sie hatten Gottes Liebling ans Bein gepinkelt. Und dann rumort's im Himmel.

Gottes gerechtes, liebendes Urteil
Die Stimme, die aus der "Wolkensäule" kommt, verhandelt nicht, sie urteilt. Gott erklärt nichts, er stellt nichts richtig, er sagt nur: "Mose ist mein Liebling, das wusstet ihr doch. Wie konntet ihr nur so blöd sein und ihn kritisieren?". Dann verpufft er wieder und lässt noch mit einer kurzen Handbewegung eine grausige Krankheit auf Mirjam herabkommen, die gerade versucht hatte, sein Gesetz zu verteidigen. Es ist nicht das einzige Mal, dass Menschen in der Bibel tun, was Gott verlangt hatte, und dafür Strafe ernten:

4. Mose 22, 20-22: "Da kam Gott des Nachts zu Bileam und sprach zu ihm: Sind die Männer gekommen, dich zu rufen, so mache dich auf und zieh mit ihnen; doch was ich dir sagen werde, das sollst du tun. 21 Da stand Bileam des Morgens auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter. 22 Aber der Zorn Gottes ergrimmte, daß er hinzog. Und der Engel des HERRN trat ihm in den Weg, daß er ihm widerstünde."

Wenn wir dazu noch bedenken, dass Gott wiederholt Versprechen nicht gehalten hat, so müssen wir heute eines über unseren grossen Gott dazulernen: Auf sein Wort kann man sich offenkundig nicht hundertprozentig verlassen. Oder um mit Römer 9, Vers 18 zu sprechen: "So erbarmt er sich nun, welches er will, und verstockt, welchen er will." Gott zeigt, dass er nicht nur gerechte, gütige und liebende Seiten hat, er ist offenbar genauso gern willkürlich und zornig. Oder ganz einfach inexistentes Werk primitiver Vagabunden aus der Bronzezeit.

Amen.

-Ihr Scrutator

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Interessant interessant!!! Man darf also kein Weib aus der Ferne nehmen, da man sonst Gefahr läuft, ihrem Gott zu folgen, anstelle wem? Gott. Genau. Wie könnte man einem anderen Gott folgen, wenn DER Gott, der dies gebietet, vorgibt, der Einzige zu sein? Das Erste, und somit wohl wichtigste aus den zehn Geboten lautet auch, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Das selbe Muster. Wie kann es denn einen anderen geben, wenn er vorgibt als Erschaffer von allem, der Einzige zu sein? Ob er wohl weiß, dass er nicht der Einzige ist und nur eifersüchtig ist auf alle anderen oder gibt es ihn gar nicht und nur Menschen haben ihn erfunden und mit diesem vermeintlich göttlichem Gebot dafür Sorge tragen wollen, dass doch bitte alle Schafe nur noch einem Bock folgen? Wie sagte schon Einstein? "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.