Freitag, 4. März 2016

23: Konter mit der eigenen Waffe


1 Könige 20, 24: So spricht der HERR: Weil du den von mir mit dem Bann belegten Mann deiner Hand entrinnen ließest, soll dein Leben für sein Leben und dein Volk für sein Volk haften!

König Ahab hat Ben-Hadad verschont, und das ist Gottes Reaktion darauf. Wie würden Sie einen Gott beschreiben, der solches sagt und tut? Blutdurstig? Gnadenlos? Jähzornig? Ganz genau. Aber es gibt da diese Leute, die sich Christen nennen. Und die plädieren für einen anderen Ansatz. „Man darf die Bibel nicht mit dem Verstand lesen!“, heisst es von ihrer Seite. „So eine Stelle mag brutal und ungerecht erscheinen, aber Gottes Güte ist mit unserem Verstand nicht fassbar.“ Christen sagen also, das Urteil unseres Verstandes sei wertlos. „Gott tut so viel Gutes! Und die Bibel sagt: ‚Gott ist Liebe‘ (1. Johannes 4, 8)! Folglich erfolgt jede Handlung Gottes aus Liebe!“. So einfach ist das! Und während ich so über diese Argumentation nachdenke, habe ich einen simplen Einfall: Den Spiess kann man auch umdrehen. 

Bibelstellen vs. Verstand
Die Argumentationsschlussregel funktioniert so: Weil Bibelstelle X Gott als gut beschreibt, muss der menschliche Verstand jedes Mal falsch liegen, wenn er eine Handlung Gottes als böse beurteilt. Man muss dann nach dem Guten im Schlechten suchen, und wenn man es nicht findet, muss man die Handlung halt einfach als mysteriöse gute Tat akzeptieren und die Fragerei einstellen. Jetzt lesen Sie mal folgende Bibelstellen:

5. Mose 7, 21: Laß dir nicht grauen vor ihnen; denn der HERR, dein Gott, ist unter dir, der große und schreckliche Gott.

Jesaja 45, 7: Ich bin der HERR, und keiner mehr; 7 der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe das Übel.

Hesekiel 21, 8: So spricht der Herr, HERR: Siehe, ich will an dich; ich will mein Schwert aus der Scheide ziehen und will in dir ausrotten beide, Gerechte und Ungerechte.

1. Korinther 10, 10:Murrt auch nicht, gleichwie jener etliche murrten und wurden umgebracht durch den Verderber."

Tada! Es gibt Bibelstellen, die Gott als böse beschreiben. Also lässt sich entsprechend der Schlussregel der Christen sagen: Weil Bibelstelle X Gott als böse beschreibt, muss der menschliche Verstand jedes Mal falsch liegen, wenn er eine Handlung Gottes als gut beurteilt. Man muss dann nach dem Schlechten im Guten suchen, und wenn man es nicht findet, muss man die Handlung halt einfach als mysteriöse böse Tat akzeptieren und die Fragerei einstellen. „Gott tut so viel Böses! Und die Bibel sagt: ‚Gott schafft das Übel‘ (Jesaja 45, 7)! Folglich erfolgt jede Handlung Gottes aus Bosheit!“ Wenn das mal nicht reizvoll klingt :D Erlauben Sie mir, es zu demonstrieren.

2. Mose 13, 21: "Und der HERR zog vor ihnen her, des Tages in einer Wolkensäule, daß er den rechten Weg führte, und des Nachts in einer Feuersäule, daß er ihnen leuchtete, zu reisen Tag und Nacht."

"Pah, das wirkt vielleicht nett, aber es steht uns Menschen nicht zu, das zu beurteilen… Gott hat sie bestimmt immer mit Absicht zu den Feinden geführt… Und wenn er sie mal beschützt hat, dann nur, damit mehr übrig blieben, die er selbst abmetzeln konnte…"

1. Könige 19, 4-6: "Er [Elia] aber ging hin in die Wüste eine Tagereise und kam hinein und setzte sich unter einen Wacholder und bat, daß seine Seele stürbe, und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser denn meine Väter. 5 Und er legte sich und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und eine Kanne mit Wasser."

"Das war nicht nett gemeint, auch wenn es vielleicht so aussieht! Man kann das nicht einfach so aus dem Kontext reissen! Gott ist der Verderber, das steht im 1. Korinther 10! Seine Wege sind halt unergründlich… Vielleicht wollte er ja nur das Leiden von Elia verlängern oder so…"

Markus 8, 22-25: "Und er [Jesus] kam gen Bethsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, daß er ihn anrührte. 23 Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor den Flecken; spützte in seine Augen und legte seine Hände auf ihn und fragte ihn, ob er etwas sähe? 24 Und er sah auf und sprach: Ich sehe Menschen gehen, als sähe ich Bäume. 25 Darnach legte er abermals die Hände auf seine Augen und hieß ihn abermals sehen; und er ward wieder zurechtgebracht, daß er alles scharf sehen konnte."

"Das soll ein Akt der Liebe gewesen sein? Na na, nicht so schnell, Gott ist böse, das weiss ich! Das hat Jesus sicher nur getan, um cool zu wirken… Und dieser Mann war ja sein ganzes Leben lang blind gewesen, der musste sein Leben komplett umstellen… Bestimmt hat Gott ihn irgendwie noch anders gestraft, denn solche Freundlichkeit passt nicht zu Gott - Gott ist schrecklich, wie es in 5. Mose 7 steht…"

Fazit
Ja, sich auf verstörende Stellen zu versteifen, ist strenggenommen Rosinenpickerei. Aber schaut mal, liebe Christen: Wenn euer Gott Liebe und „allezeit gut“ wäre, dann wäre es gar nicht möglich, Gott in einem derart schlechten Licht darzustellen. Eure Argumentation für Gottes Güte lässt sich, wie ich gerade demonstriert habe, ohne Weiteres zweckentfremden, um das Gegenteil zu "belegen". Der Verstand sagt jedem von uns, dass Gott sich oft grausam verhält. Und der Verstand ist das einzige Werkzeug, das wir haben, um zu urteilen. Ihr vertraut ihm, wenn er euch sagt, dass Gott gut sei. Sobald er aber in einem Fall zum gegenteiligen Urteil kommt, hat das Vertrauen ein Ende. Seid ehrlich zu euch selbst und hört auf damit, Gott von allem freizusprechen. Er ist nicht allezeit gut. Das idealisierte Bild von ihm in euren Köpfen ist eine Einbildung.

So, ich hoffe, Sie hatten so viel Spass wie ich =) Denken Sie sich doch auch mal aus, wie man die "guten" Taten Gottes und Jesu uminterpretieren könnte - Sie dürfen mir auch gern via Kontaktbox oder Facebook ein paar Beispiele zusenden. 

-Ihr Scrutator


P.S. Einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt NonStampCollector in diesem witzigen Video:


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo,
an dieser Stelle möchte ich mich einfach mal für diese tollen Artikel bedanken.
Von jedem einzelnen habe ich sehr viel mitgenommen, viel Stoff zum Nachdenken bekommen, neue Anregungen erhalten und gleichzeitig auch viel Spaß gehabt.
Danke dafür!
Florian

R.D. hat gesagt…

Hi Florian! Vielen lieben Dank, das freut mich enorm =)
Dein Scrutator