Sonntag, 31. Januar 2016

11: Geballte Unglaubwürdigkeit - Die Sintflut

Wussten Sie, dass der Begriff "Flood myth" einen eigenen Wikipedia-Artikel hat? 

Heute behandeln wir einen Top-Kandidaten für den Titel "unglaubwürdigste Geschichte der Bibel." Die Wucht der theologischen und wissenschaftlichen Argumente dafür, dass es sich hierbei lediglich um einen Mythos handelt, ist in ihrer Gewalt absolut erdrückend. Los geht's.

Theologische Indizien/Probleme
  • "Da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden" (1. Mose 6,6). Die Bibel erwähnt mehrfach, dass Gott nie etwas bereue (zB. 1. Samuel 15, 29)
  • Wie im ersten Post zur Heilsgeschichte erwähnt, kann Gott dank seiner Allmacht jedes Problem auf unendlich viele verschiedene Arten lösen, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Das wirft auch hier zahllose Fragen zu seinem Handeln auf, allen voran: Wozu dieser Massenmord und wozu dieser Riesenaufwand?
  • Was wollte Gott erreichen? Das Böse vom Angesicht der Erde vertilgen? Das ist nicht gelungen - und wenn Gott allwissend ist, dann wusste er, dass es nicht gelingen würde
  • Überhaupt: Wie hatte sich Gott das vorgestellt? Hätte Noah sein perfektes Wesen magisch weitervererben sollen (Zu Noahs perfektem Wesen empfehle ich 1. Mose 9, 18-25)?
  • Gott hatte zum Zeitpunkt der Sintflut noch kein einziges Gebot verkündigt. Entweder war die Verurteilung und Ermordung aller unwissenden Menschen also unglaublich unfair, oder aber wir befinden, dass die Menschen es sowieso besser hätten wissen müssen und folglich Moral ohne Gottes Gebote möglich ist 
  • Gott tötet auch sämtliche Kleinkinder, Säuglinge und ungeborenen Kinder - wie gerecht ist das?
  • Darüber hinaus wählt Gott eine der qualvollsten Todesarten, statt die Menschen einfach irgendwie schmerzfrei verschwinden zu lassen - ein wenig sadistisch, nicht?
  • Laut der Bibel bauten die Nachkommen Noahs 150 Jahre nach der Flut den Turm zu Babel. Dass aus 8 Leuten, die sich durch Inzucht vermehrten, in 150 Jahren ein turmbauendes Volk geworden sein soll, kann bedenkenlos als Quatsch verworfen werden
Wissenschaftliche Indizien/Probleme
  • Eine weltweite Flut hätte eindeutige Spuren in Sachen Geologie und Fossilien in der Erde hinterlassen, die aber niemand findet. Zudem hätte sie zerbrechliche geologische Strukturen zerstört, die aber irgendwie ganz geblieben sind...
  • Gott hätte an allen Ecken und Enden die Naturgesetze verbiegen müssen. Noah kann dieses Riesenboot nicht gebaut haben, und wenn, dann wäre dieses so instabil gewesen, dass es die riesenhaften Wellen auf dem unfassbar tiefen Ozean nie überstanden hätte
  • Sämtliche Tierarten müssten innerhalb der letzten 4'000 Jahre ihre heutige Diversität entwickelt haben - völlig unmöglich. Und ganz nebenbei sollen Noah und seine 7 Passagiere dann durch Inzest die Ureltern aller Menschen geworden sein
  • Wie sollen die Tiere aus allen Regionen der Erde zur Arche und danach wieder zurück gekommen sein? Gott hat sie wohl gebeamt...
  • 1. Mose 6, 21: "Und du sollst allerlei Speise zu dir nehmen, die man ißt, und sollst sie bei dir sammeln, daß sie dir und ihnen zur Nahrung da sei." Egal, wovon man ausgeht - das war für Noah angesichts der Zahl und der Bedürfnisse der Tiere völlig unmöglich
  • Bedeutende Zivilisationen wie die Ägypter und die Chinesen, die zur selben Zeit ihre Geschichte dokumentierten, ignorierten es völlig, dass sie vollständig ausgerottet wurden. Blasphemie!
  • Gott soll den Regenbogen erst nach der Flut erfunden haben. Es ist physisch unmöglich, dass es vor der Flut keine Regenbogen gab. Ausser Gott hat das magisch ermöglicht...
  • Schon mal darüber nachgedacht, dass nach der Flut fast alle Pflanzen ausgerottet gewesen wären? Ausser Gott hätte sie magisch beschützt...
  • Auch mit den Tieren im Wasser ist es nicht so einfach - die Veränderungen im ökologischen Umfeld hätten viele ausgelöscht... Ja, ausser Gott hätte sie magisch beschützt...

Fazit
Der ehemalige christliche Radiomoderator und jetzige Gründer der Community "The Thinking Atheist" Seth Andrews sagt, er spreche Christen besonders gern auf die Sintflut an, weil die Verteidigungsversuche bei dieser Geschichte am lustigsten seien. Es muss unglaublich unbefriedigend sein, zu versuchen, all diese riesigen Lücken zu erklären. Wenn Sie an die Sintflut glauben, dann müssen Sie vieles anderes, was der Mensch im Laufe seiner Geschichte so erdichtet hat, noch viel ernster nehmen, weil weniger dagegen spricht als gegen diese völlig absurde Geschichte. Es gibt Bibelgeschichten, über deren Plausibilität man diskutieren kann, aber die Sintflut gehört nicht dazu.

-Ihr Scrutator

Kommentare:

KlausS hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
KlausS hat gesagt…

Auch die Ernährung der Tiere nach dem Ende der Flut ist ein Problem. Wie viele Generationen von Löwen, Tigern und anderen Raubtieren müssen Gras gefressen haben, bis von den anderen Tieren genug zum Fressen da waren.